Der unterschätzte Schatz

Schreiben früher und heute – da liegt ein himmelweiter Unterschied dazwischen. Mit früher meine ich die Zeit der Federn und der Tinte und sogar noch der Schreibmaschine. Die Gedanken auf Papier bringen hatte keine übertragene Bedeutung. Papier als Mittel, den Kopf zu leeren, zu kommunizieren und Kunstwerke zu erschaffen. Ein Material, das zwar geduldig, aber leicht zu vernichten ist, so dass Weiterlesen

Die weitere Reise in Estland: Was mein Besuch des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers bedeutet

Neun Kilometer entfernt vom schon beschriebenen hässlichen Industriegebiet Kohtla-Järves liegt das winzige Dörfchen Ereda, das ich während meiner Reise in Estland besuchen wollte. Hier befand sich das Kriegsgefangenenlager, in dem Werner hausen musste. Hausen ist das falsche Wort, weil es sich nicht mal um ein richtiges Haus handelte, aber welches Verb eignet sich denn für Zustände, die mir noch 70 Jahre später diese eigentlich nette Gegend verübeln? Wohnen? Klingt zu sehr nach Weiterlesen

2. Station: Estland – Wem wir gedenken, den beleben wir.

Manche Orte sind so schön und strahlen einen solchen Frieden aus, dass es schwerfällt, sie wieder zu verlassen.

Die Gedenkstätte in Kohtla-Järve in Estland, die gleichzeitig auch ein Friedhof für Kriegsgefangene ist, die nicht überlebt haben, ist für mich solch ein Ort. Ein wahres Kleinod in einer tristen Gegend. Ein winziger stiller Ort, inmitten von Gebüsch und Natur. Stelen, dicht beschrieben mit Namen und Geburts- sowie Todesdaten hunderter Toter, hinter jedem Namen ein Gesicht und ein Schicksal, ähnlich wie das von Werner, nur dass die Geschichten Weiterlesen

Meine Reise in Riga: Die Zeit ist aus den Fugen

Welchen Schatz ich mit dem alten Text von Werner besitze, ist mir besonders am letzten Tag meiner Reise in Riga klar geworden.

Ich habe Andrejs Edvīns Feldmanis getroffen, der für das Okkupationsmuseum in Riga arbeitet, Forschungen betreibt und so ziemlich alles über das Leben der Kriegsgefangenen in Riga weiß, was man wissen kann. Er hat sich einen ganzen Tag für mich Zeit genommen und sich die allergrößte Mühe gegeben, mir dabei zu helfen, ein Bild davon zu bekommen, wie Werners Zeit in Riga aussah. Weiterlesen

Riga: Reise in die Vergangenheit – zwischen Begeisterung und Wehmut

Wo ich hinsehe, denke ich an meinen Großvater. Die vielen alten Häuser, die es hier noch gibt, hat er vielleicht auch schon gesehen – vor ganz genau 70 Jahren. In jeder Straße, in der ich laufe, stelle ich mir vor, dass er hier entlang marschiert ist, wie er die Ankunft in Riga nach einem Fußmarsch von zehn Tagen unmittelbar nach der Kapitulation im Mai 1945 berichtet: Weiterlesen