Über die Arbeit als Anfänger-Autorin

Autor zu sein klingt toll. Vor allem Buchautor zu sein ist toll. Buchautoren müssen wortgewandte Künstler sein, die so viel zu sagen haben, dass sie damit ein ganzes Buch füllen. Künstler, in denen so viel Talent steckt, dass sie nichts weiter tun müssen, als die Worte und Sätze aus sich heraussprudeln zu lassen.

Wie meine Leser wissen, schreibe ich gerade ein Buch. Und wie meine Freunde wissen, hab ich daran zwar viel Freude, aber gleichzeitig auch mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. „Ich schreibe ein Buch“ klingt von jemandem, der noch kein einziges Buch veröffentlicht hat, wie ein viel zu großer Traum, eine Schwärmerei, ein Luftschloss. Das war es für mich auch zehn Jahre lang. Aber nun nimmt es täglich mehr Formen an, und ich wundere mich manchmal selbst darüber, dass ich diesen Schritt gegangen bin und meinen Traum wahr werden lasse. Mein allererstes Buch, das ich mit dem Ziel schreibe, es an die große Glocke zu hängen, statt es in meinem Laptop einzuschließen. Und jeder bekannte Autor hat schließlich irgendwann sein erstes Buch geschrieben. Da kommt mir ein Gedanke: Ab wann er sich wohl Autor nannte? Ist erst der ein Autor, dessen Buch schon veröffentlicht ist, oder ist schon der ein Autor, der darauf hinarbeitet? Fest steht, dass Schreiben einer Tätigkeit gleicht, die die meisten wohl als „arbeiten“ bezeichnen würden, zumindest wenn sie ihre Texte nicht einfach nur für sich ganz allein schreiben.

Was macht einen Autoren aus?

Wie dramatisch, wie Hemingway davon auszugehen, dass eine unglückliche Kindheit zu den besten Voraussetzungen gehört, ein guter Schriftsteller zu werden. Wie romantisch, sich vorzustellen, eine Autorin zu sein, die in ihrem stillen Kämmerchen bei einem Glas Rotwein oder einer Tasse Tee ihre Gedanken aufschreibt oder besser noch, ihre Feder die Worte schreiben lässt, die einfach so durch sie durch und in ihre Hände strömen und am Ende ein wunderbares Buch ergeben, dass nur noch entdeckt werden muss.

Aber, es tut mir selbst leid, so ist es nicht. Wie gerne wäre ich eine Autorin, der die richtigen Worte immer dann einfallen, wenn sie sie braucht! Je mehr ich mit anderen Autoren (also auch solchen mit mehr Erfahrung) in Kontakt komme, desto mehr festigt sich jedoch die Vermutung, dass nicht alle um mich herum mit übernatürlichem Talent gesegnet sind und nichts als eine funktionierende Hand brauchen, sondern dass dieses Bild längst überholt ist. Schreiben ist ein Handwerk, und wie bei jedem Handwerk eignet sich Talent ganz gut, einfach nur, weil das Endprodukt schneller fertig wird oder die Arbeit leichter und mit mehr Freude von der Hand geht. Was aber viel wichtiger ist, ist Übung, Ausdauer, starke Nerven und auch ein Stück Welterfahrung.

Übung, weil man umso besser wird, je mehr man schreibt. Und wie in vielen Berufen wird auch hier abgeguckt und das übernommen, was man selbst brauchen kann, was bedeutet, lesen ist genauso wichtig. Wir lernen von anderen nähen, kochen, unterrichten, und eignen uns fremde Techniken an – das passiert auch beim Schreiben. Ganz automatisch. Sich auf seine Inspiration verlassen, klappt nicht. Manchmal ist keine Muse da, die inspiriert. Haben Ärzte etwa eine ‚Behandlungsblockade‘? Die Frage scheint lächerlich, aber Larry Kahaner fasst damit wunderbar zusammen, dass das Autorenhandwerk sich gar nicht so sehr von anderen unterscheidet. Ein Autor muss seinen Input selbst kontrollieren können, und das funktioniert besonders gut mit dem Lesen von allen möglichen thematisch ähnlichen Texten.

Ausdauer, weil das Schreiben eines Buches nicht innerhalb einer Nacht geschieht. Ich habe mindestens drei Leute in meinem Freundeskreis, die schon einmal ein Buch planten und vielleicht sogar mit dem Schreiben angefangen haben. Was meint ihr, wie viele unfertige Bücher es in den Laptops und den Köpfen der Welt gibt! Ich kann nur hoffen, dass mein Buch nicht fehlender Ausdauer zum Opfer fällt.

Aus demselben Grund sind auch starke Nerven nötig. Ich schreibe mein Buch, aber gibt mir jemand Geld dafür? Natürlich nicht. Ich hoffe wie jeder Autor darauf, irgendwann einmal eine Belohnung in Form von Geld für meine Mühen zu sehen, aber eine Garantie dafür gibt es nicht. Starke Nerven brauche ich, um – so ganz nebenbei – mein Einkommen zu erzielen. Wer wie ich selbstständig ist, weiß, wie schnell ein Tag zu Ende geht, und abends kam kein einziger Euro ins Haus, aber ein weiteres wichtiges Kapitel steht. Wenn zum Schluss die Verlagssuche ansteht oder das Buch selbst veröffentlicht werden soll, sind nochmal sehr starke Nerven notwendig.

Welterfahrung ist der letzte Punkt, der bei meinem jetzigen Stand des Buchs auf meiner Liste steht. Ich brauche einen großen Horizont, um über irgendetwas da draußen so schreiben zu können, dass mir die Leser meine Geschichte glauben. Eine völlig fremde Welt löst in mir Schreibblockaden aus. Recherche, Recherche und nochmal Recherche – nur das hilft. Ich fühlte mich in den Themen meines Buchs alles andere als zu Hause und so galt es zunächst einmal, sie gründlich zu erkunden. Vielleicht war die Wahl, über Kriegsgefangenschaft mein erstes Buch zu schreiben, falsch, vielleicht hätte ich mit Schokolade oder Katzen beginnen sollen. Aber wer weiß, ob es überhaupt ein zweites geben wird?

Um zum Anfang zurückzukommen: Ja, ich bin Autorin. Weil ich nicht nur zwei Stunden wöchentlich schreibe, so wie man einem Hobby nachgeht, sondern mehrere Stunden täglich an diesem Blog UND meinem und Werners Buch arbeite, und zwar mit Leidenschaft. Ob ich dagegen auch nach dem Hildchen-Projekt Autorin bleibe, halte ich mir erst einmal offen.

Advertisements

6 Gedanken zu “Über die Arbeit als Anfänger-Autorin

  1. Ich muss jetzt vorsichtig sein, und vielleicht erst mal kurz darauf eingehen, was ich mache, sonst wirkt das etwas seltsam. Ist eigentlich nicht vergleichbar. Ich schreibe kein Buch, und werde wahrscheinlich auch nie eines zustande bringen. Das liegt an Motivation, Zeit und Antrieb, sowie auch ein bißchen an meiner mangelnden Disziplin so einem Projekt die benötigte Ernsthaftigkeit und Opferbereitschaft zu widmen. Ein Buch ist daher auch nicht das Ziel für mein Schreiben.

    Ich schreibe einfach nur gerne. Das heißt, ich mag es Bilder zu erschaffen, Handlungen lebendig wirken zu lassen und Leser zu finden. Allein, ich bin zu unstet, um lange in einem Genre, einem Kontext oder einer Geschichte zu verweilen. Meistens bringen Broterwerb und ähnliche Dinge mich sehr schnell aus dem Takt, und dann bleibt es bei einem von x-tausend Anfängen. Aber mit derselben Lust stürze ich mich dann eben auf das nächste Geschehen, den nächsten Handlungstrang usw.

    Wenn ich Glück habe, dann gefällt es jemanden, wenn ich Pech habe, dann ist es eben ein „Hobby“ wie Töpfern, und ich hinterlasse irgendjemand viele angefangene Vasen und Töpfe, die wahrscheinlich als Nachlass einfach nur wertlos sind.

    Daher könnte ich nicht mal Recherche treiben, selbst wenn ich es wollte, weil ich gar keine Zeit dafür hätte und es mich von dem abhalten würde, was ich gerne mache. Ich will einfach nur fabulieren, Texte zusammenschustern, Gerüche erzeugen und in einer Welt herumlaufen, die mir alleine gehört. Ich war überrascht, als du meintest gegen Schreibblockaden helfe Recherche. Hätte ich nie so empfunden, denn ich würde sagen, gegen Schreibblockaden hilft nur Schreiben, gegenlesen, laut vorlesen, weiterschreiben, notfalls zwei Drittel wegschmeissen und weiterschreiben.

    Verstehe mich nicht falsch, das ist keine Kritik, nur reine Neugierde und interessiertes Betrachten. Ich unterhielt mich mal mit einigen Autoren über Plots, Krimis und wie man da ran geht. Eine Freundin suchte sich einen Kommissar, horchte ihn über Polizeiarbeit aus und verarbeitete das in einem Roman. Recht erfolgreich. Ich glaube, sie wird die Serie demnächst mit einem dritten Band fortsetzen. Könnte ich nicht. Für mich war klar: Wenn Krimi, dann vollkommen ohne Polizeiarbeit. Ich würde meinen vermeintlichen Helden durch eine unerklärliche Geschichte stolpern lassen, in der alles, was an geregelten Abläufen vorkommt, ausgespart bleibt. Weil ich da nichts kenne, und dann auch nicht aus mir schöpfen könnte (der einzigen Quelle, der ich traue. Der einzigen Quelle, die ich ehrlich vermitteln kann).

    Momentan vertreibe ich mir die Zeit mit einem Science Fiction in Blogform. Mal sehen wie lange :-). Das ist bequem, denn da kann ich nicht recherchieren (ist ja Zukunft), aber mal abgesehen davon, gibt es z.b. SF-Autoren, die sehr genau auf die technischen Umstände eingehe, die Entwicklungen vorgreifen und ihren Kopf anstrengen, um eine glaubhafte Umwelt, mit glaubhaften vorausschauenden Dingen auszustatten.

    Mache ich nicht. Ich vermeide alles unerklärliche, gehe nicht darauf ein und hantiere soweit wie möglich mit demselben technischen Unverstand, mit dem ich heute agieren würde. Ich sage ja auch nicht, dass ich jetzt den elektrischen Wasserkocher nehme, dessen Stromzuführung unterhalb des kannenförmigen Körpers in der Mitte angebracht ist, damit er über eine integrierte heiße Platte das Wasser aufkocht, um mir einen Tee zu machen. Ich kapiere auch nicht im Detail wie mein Handy funktioniert. Und so geschehen und passieren die Dinge um mich herum einfach, ohne das ich sie erklären muss, und was bleibt ist die Handlungen meiner Helden/Anti-Helden glaubhaft darzustellen, und da schöpfe ich nur aus allem Gutem und Schlechten, das ich erlebt habe.

    Aber wie gesagt: Ich würde mich an so ein Thema wie du ja auch nie Kranwagen :-). Insofern Respekt, und das hat alles seine Berechtigung. Und außerdem bewundere ich alle Menschen, die so etwas mit Ziel und Energie angehen und am Schluss auch ein Ergebnis haben, mit dem sie zufrieden sind.

    ich bin ein schlechtes Beispiel für sowas 🙂

    Gefällt mir

    1. Wow, ich freu mich sehr über diese Vorstellung von dir und deiner Art zu schreiben! Vorweg: Ich fasse nichts als Kritik auf, was du sagst, denn jeder geht eben anders an die Dinge heran und findet dann heraus, was am besten funktioniert. Ich finde deine Einstellung gut und kann mir vorstellen, dass dabei sehr spannende Geschichten entstehen. Irgendwie unvoreingenommener, wie wenn man vorher alles recherchiert. In meinem Fall ist das unmöglich, weil ich mich auf einen Tatsachenbericht stütze und nicht ausschließlich aus der Fantasie heraus schreibe. Darum hilft mir das auch gegen Schreibblockaden. Das Schöne am Schreiben ist, dass der Autor immer etwas von sich einfließen lässt. Jemand anders wie du würde recherchieren und eine ähnliche Geschichte vielleicht aus einem anderen Blickwinkel erzählen. Du hast deinen eigenen Blickwinkel und möchtest ihn durch nichts verfälschen. Das gefällt mir sehr! Ich werde in deinen Blog auf jeden Fall reinschauen 🙂

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s